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in eigener Sache: mein Artikel "Corona ist wie Klimawandel - nur im Zeitraffer"

Die Corona-Pandemie hält die Welt fest in ihren Händen und lässt die Weltwirtschaft still stehen. Die einzigen Profiteure dieser Krise scheinen der Klimawandel und die ökologische Umwelt zu sein, die durch die reduzierten Emissionen eine Verschnaufpause aktuell erleben dürfen. Dabei lassen sich zahlreiche Parallelen zwischen der Corona-Krise und der nach wie vor drängenden Klimakrise erkennen:

Beide Krisen wurden und werden anfänglich maßgeblich unterschätzt und in ihrer katastrophalen Wirkung verkannt.

Beide Krisen haben weltweite Auswirkungen und verlangen weltweites konsequentes Handeln.

In beiden Krisen findet ein Kampf gegen einen unsichtbaren Feind statt. Bei der einen ist es ein elektronenmikroskopisch kleiner Virus, bei der anderen Moleküle, die man nur in speziellen Messapparaturen erkennen kann. Dies verlangt von allen die nötige Vorstellungskraft, dass der Feind deshalb nicht minder gefährlich und tödlich ist.

In beiden Krisen gilt es, die Erkenntnisse der Wissenschaftler*innen, die uns mit den nötigen Informationen versorgen, anzuerkennen, um die notwendigen Erfordernisse zur Bekämpfung der Krise abzuleiten.

Beide Krisen verlangen sowohl von politischen und wirtschaftlichen Akteuren als auch von dem Individuum Maßnahmen, um die Krise überwinden zu können.

Beide Krisen verlangen Solidarität der Generationen. Während in der Corona-Krise die jungen Menschen durch Rücksichtnahmen das Leben der älteren, gefährdeteren Menschen schützen müssen, verlangt die Klimakrise von den erwachsenen Entscheidungsträger*innen und Konsument*innen Rücksichtnahme zur Sicherung einer lebenswerten Zukunft der jungen und nachfolgenden Generationen.

In beiden Krisen ist eine Grundversorgung der Gesellschaft betroffen: In der Corona-Krise ist das Gesundheitssystem maßgeblich gefordert, in der Klimakrise gilt es in erster Linie, in allen Sektoren die Energieversorgung klima- und umweltfreundlich zu gestalten. Beide verlangen einen konsequenten Einsatz in den jeweiligen Versorgungssystemen, um die existenzielle Bedrohung der Menschheit abzuwenden.

Beide Krisen fordern Todesopfer bei der Menschheit. Wobei die Klimakrise durch die Dürren, Wirbelstürme, Starkwetterereignisse sicherlich die Zahl von aktuell 12.755 Toten der Corona-Krise schon aktuell übertroffen hat. Wie viele Tote es schlussendlich in den Krisen sein werden, bleibt abzuwarten.

Während wir in der Corona-Krise nur noch reagieren können und konnten, haben wir in der Klima-Krise noch die Möglichkeit, durch konsequentes und ambitioniertes Agieren das Schlimmste abzuwenden und den Klimawandel auf ein einigermaßen erträgliches Maß abzumildern.

Nun gilt es aus den Erfahrungen, die die Menschheit aktuell und unter höchstem Zeitdruck aus der Corona-Krise gewinnen muss, die richtigen Schlüsse für die Klima-Krise kurz-, mittel- und langfristig zu ziehen, damit uns diese eben nicht mit der gleichen, tödlichen Brutalität trifft.

Die Chancen dafür stehen nicht schlecht, stellt doch die Corona-Krise eine gewisse „Blaupause“ für die Klima-Krise dar, wenn auch der Zeitraffer nicht so stark zum Einsatz kommen muss. Was zuvor nur wenigen Entscheidern möglich und zumutbar erschien, findet jetzt statt:

Einschränkungen der individuellen Freiheiten werden von den Bürger*innen akzeptiert. Keiner steigt auf die Barrikaden. So eine starke öffentliche Hand verlangt auch der Klimawandel. Es gilt, das in der Corona-Krise Erprobte mit gleichen überzeugenden Argumenten in angemessener Form den Bürger*innnen zu vermitteln und anzuwenden.

Neue Formen der mobilitätslosen Kommunikation durch virtuelle Meetings, Konferenzen und Messen finden überall und für jeden erreichbar statt. Alle lernen und erkennen, dass diese Kommunikationsformen durchaus praktikabel und attraktiv sein können – sicherlich nicht für jeden Anlass, aber doch für viele. Warum sollte man von diesen Techniken, in die man unter Umständen just neu investiert hat, wieder abrücken, wenn man doch so Kosten, Zeit und Emissionen sparen kann? Diese neuen Routinen finden sich auch an anderer Stelle: Da das Fitnesscenter geschlossen hat oder man die Fahrt in öffentlichen Verkehrsmitteln als zu gefährlich empfindet, wird das Fahrrad für den Weg zur Arbeit entdeckt. Schnell stellt man fest, dass die Anfahrt zur Arbeit mit dem Fahrrad durchaus wohltuender sein kann, als mit dem Auto im Stau zu stehen oder auf den Zug warten zu müssen.

Die wissenschaftlichen Erkenntnisse werden in der Corona-Krise als überlebenswichtig und selbstverständlich angenommen. Gleiches muss für die Zukunft verstärkt auch für die Erkenntnisse der Wissenschaft hinsichtlich der Klima-Krise gelten. Wenn wir aktuell und hautnah gelernt haben, dass das Vertrauen in die Wissenschaft und in ihre Handlungsempfehlungen Menschenleben retten kann, wird dieses Vertrauen auch der Wissenschaft zum Klimawandel gelten. Zukünftig darf und muss man ansonsten berechtigterweise die Frage stellen, warum bei der Bewertung von wissenschaftlichen Aussagen unterschiedliche Maßstäbe gelten dürfen.

Werte wie Solidarität, Transparenz und Wertschätzung – abseits von monetären Werten -werden in der Krise wieder spürbarer. Es entstehen zusätzlich Nachbarschaftshilfen, um gefährdeten Menschen Hilfe anzubieten. Bürger applaudieren am Balkon für das medizinische Personal und bringen ihre Dankbarkeit und Wertschätzung zu Ausdruck. Die Kanzlerin will absolute Transparenz bei den politischen Entscheidungen walten lassen. Die Krise lässt viele Menschen erkennen, wie verletzlich doch unsere Wirtschaft, unsere Gesellschaft und unser eigenes Leben sind und spüren, worauf es tatsächlich und wirklich ankommt. Die Gemeinwohl-Ökonomie setzt genau auf solche Werte und bietet ein alternatives Wirtschaftssystem, das zu einer sozial-ökologischen Marktwirtschaft auch den Menschen mit seinen Grundbedürfnissen in den Betrachtungsmittelpunkt stellt. Sicherlich wird nicht aus jedem Saulus ein Paulus, aber es wird ein Ruck durch den Planeten gehen.

Aus dem Griechischen und Chinesischen steht das Wort „Krise“ in seinen Ursprüngen auch immer mit der „Wende“ oder der „Chance“ im Zusammenhang. Daher gilt es nun, genau diese Wende und Chancen in dieser Krise zu suchen und zu nutzen, die weit über die Bekämpfung einer Pandemie hinausgehen. So kann die globale Gesellschaft geeint, gestärkt und zukunftsfähig im Einklang mit den natürlichen Grundlagen daraus hervorgehen.

News vom: 25.03.2020

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